125 Jahre SGV Mülheim an der Ruhr
Ein Verein als kleines Spiegelbild unserer Gesellschaft
Am 07. März 1901 versammelten sich vierzig Herren und gründeten die Abteilung Mülheim an der Ruhr des Sauerländischen Gebirgsvereins. Die Satzung des neuen „SGVs“ lehnte sich eng an die des Hauptvereins in Arnsberg an, insbesondere in Bezug auf Ziele und Zwecke des Vereins. In dieser Versammlung erfolgte auch die Wahl des Vorstandes mit dem 1. und 2. Vorsitzenden, Kassierer, Schriftführer und drei Beisitzern. Amtsrichter Dr. Deicke wurde als 1. Vorsitzender gewählt. Als Gründungsdatum des Vereins wurde der 1. April 1901 festgesetzt.
An diesem Tag fand auch die erste Generalversammlung statt. Es wurden mehrere Wegekommissionen bestimmt, denen die Ausarbeitung empfehlenswerter Wege in der Mülheimer Umgebung oblag. Man einigte sich zunächst drei Wanderungen zu planen:
1. Raadt – Meisenburg – Kettwig oder Werden
2. Hammerstein – Rott – Lintorf – Ratingen
3. Hammerstein – Rott – Angermund – Kaiserswerth
Weiter vereinbarte man eine zwanglose Zusammenkunft der Mitglieder am ersten Montag eines jeden Monats im Vereinslokal „Hotel – Restaurant – Kämpgen“. Schon nach einem Monat war die Abteilung auf 120 Mitglieder gewachsen.Die sich fortsetzende positive Entwicklung verdankte der Verein vor allem dem unermüdlichen Wirken ihres 1. Vorsitzenden Dr. Deicke, der neben seinem Beruf als Richter am Mülheimer Amtsgericht ein engagierter Rechtshistoriker und Heimatschriftsteller war. In den Anfängen unserer Abteilung stand deshalb die heimatkundliche Beschäftigung mehr im Vordergrund als das Wandern.
Das 25-jährige Jubiläum wurde eigenartigerweise schon am 10. September 1925 gefeiert. In seiner Festansprache auf dem Kahlenberg erklärte Dr. Deicke, warum man die Feier vorverlegt habe: Aus Freude und Dankbarkeit über die wiedergewonnene Freiheit nach einer Zeit der Besatzung. Er führte damals aus, dies jedoch nicht zum Anlass eines rauschenden Festes zu nehmen, sondern sich jetzt erst recht an die Arbeit zu machen zum „Wohl von Volk und Vaterland“.
Vor Ausbruch des 1. Weltkrieges zählte die Mülheimer Abteilung ca. 500 Mitglieder, nach Kriegsende war die Anzahl auf ca. 70 Mitglieder gesunken. Nach kurzer Zeit wurde wieder ein Aufwärtstrend festgestellt und dem Wunsch der Mitglieder nach einer stärkeren Wandertätigkeit Rechnung getragen. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges behinderte die Vereinsentwicklung wieder stark.
Zum 40-jährigen Jubiläum brachten die Mülheimer Zeitungen unter der Überschrift „Die Heimat erwandert und aufgeschlossen – 40 Jahre Mülheimer SGV“ ausführliche Berichte. Im Geschäftsbericht für 1940/41 sind Hinweise auf einige Mehrtages-, 59 Tages-, 72 Halbtags- und 24 Nachmittagswanderungen zu finden. An allen Wanderungen beteiligten sich 912 Wanderer, 598 Wanderinnen und 114 Jugendliche. Das Vereinswesen wurde unter schwierigen Bedingungen weitergeführt und nach dem Ende des 2. Weltkrieges verändert.
1950 wurde eine neue Abteilung gegründet: die Skigilde. Aus alten Unterlagen geht hervor, dass bei der ersten Skifahrt 17 Skiläufer für 8 Tage nach Winterberg fuhren. Im Jahre 1952 fand dann die erste Tour ins „Hochgebirge“ statt. Hochgebirge hieß aber auch: lange, beschwerliche Aufstiege, denn Liftanlagen gab es noch nicht. Die Piste musste erst festgetreten werden. Dafür mussten Felle für die Skier her. Ein Problem, dass clever gelöst wurde: Der Bezug eines alten Plüschsofas wurde in schmale Stücke geschnitten und auf Leinenband genäht, die erforderlichen „Riemchen“ angenietet und die „Felle“ waren fertig. Natürlich wurden die „Skifahrer“ in Mülheim belächelt, denn Skilaufen war im Ruhrgebiet alles andere als populär. Der Skitourismus begann erst viel später. 1957 wurde die Abteilung Skigilde dann Mitglied im Westdeutschen Skiverband. Es folgte die Aufnahme in den „Mülheimer Sportbund“, der sich zu dieser Zeit noch „Stadtverband für Leibesübungen“ und später „Stadtsportbund Mülheim an der Ruhr“ nannte. Dass sich Skifahrer auch in der schneelosen Zeit fit halten müssen, erkannte man 1961. Seit dieser Zeit gibt es wöchentliche Trainingsabende in der Sporthalle. (Anlässlich des 60-jährigen Bestehens wurde in der Freilichtbühne zu Ehren des 1943 verstorbenen Gründers Dr. Deicke ein Gedenkstein unter einer Eiche enthüllt.) Der Skisport wurde in den nächsten Jahren zum Volkssport, so dass auch das Interesse am SGV Mülheim weiter anstieg. Regelmäßige „Skifreizeiten ins Hochgebirge“ fanden über Jahre statt. Das Besondere dabei war, dass Alpinfahrer, Skilangläufer und Wanderer gemeinsam fuhren und für eine Woche den Schnee und die Gemeinschaft von Jung und Alt genießen konnten.
1988 konnte der Verein zwei Räume von der Stadt Mülheim an der Ruhr im Gebäude der Selbecker Schule anmieten. Aus der ehemaligen Außenstelle des Gesundheitsamtes entstand die erste Geschäftsstelle in der Geschichte unseres Vereins. Die Einweihung fand am 1. Mai 1988 statt.
Im Mai 1993 wurde der „Historische Wanderweg in Mülheim“ fertig gestellt. Mit einer großen Einweihungsfeier im Schlosshof von Schloss Broich wurde der Weg seiner Bestimmung übergeben.
1995 änderte sich das Vereinsgefüge. Um den Mitgliedern ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl zu geben, wurde die Wanderabteilung und die Skigilde in der Jahreshauptversammlung 1996 zum „Ski- und Wanderverein“ zusammengeführt. Um den sportlichen Aspekt des Wanderns zu unterstreichen, trat der Verein noch dem Rheinischen Turnerbund bei. Seit diesem Zeitpunkt ist der gesamte Mülheimer Verein Mitglied im Mülheimer und im Landessportbund.
Eine weitere Sportart etabliert sich kurz darauf in unserem Verein: das Walking und später das NordicWalking. Daraufhin wurde der SGV-Abteilung Mülheim an der Ruhr e.V. zum 1. Januar 1999 vom Deutschen Turnerbund die Auszeichnung „Pluspunkt Gesundheit“ verliehen. Die Walking - Bewegung fand in Deutschland immer mehr Anhänger und somit beschloss der Verein am 21. Mai 2000 den 1. WALKING- und Wandertag an der Ruhr durchzuführen. Die Wiederholung am 13. Mai 2001 folgte und wurde um den 1. Ruhr Diabetes WALK 2001 erweitert. Die Veranstaltung war gleichzeitig der Auftakt zum 100-jährigen Vereinsjubiläum. Im gleichen Jahr erhält der Verein die Auszeichnung „Sport Pro Gesundheit“ vom Deutschen Sportbund.
Um die Gemeinschaft auch weiterhin zu pflegen, fanden verschiedene mehrtägige Freizeiten sowohl in den Bergen als auch an der See, mit den Fahrrädern oder „per pedes“ statt. Besonders in Erinnerung geblieben sind die Freizeiten in Westkapelle / Niederlande (Meer), die Radtouren in Schweindorf / Ostfriesland mit Unterkunft in einer Mühle und die verschiedenen mehrtägigen Reisen der Wandergruppe in diverse Gegenden Deutschlands.
Seit 2016 findet in Mülheim die Aktion „Sport im Park“ statt. Initiiert vom Mülheimer Sportbund haben mitmachende Vereine die Möglichkeit ihre Sportangebote für Interessierte zu öffnen. Von Anfang an ist der SGV mit der Abteilung „NordicWalking/Walking“ dabei. Ziel ist dabei, die Freude am NordicWalking sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene zu vermitteln. Seit drei Jahren ist hier auch der Bereich „Bodyfit“ vertreten (ehemals der Bereich „Skigymnastik“), der Körpertraining und Spaß an der Bewegung verbindet.
Seit 2023 gibt es im Verein die Bereiche Wandern, NordicWalking und Bodyfit, in denen sich die Mitglieder erfreuen können.